Travel Woman

Astypalea? – Noch nie davon gehört. Wo ist das?, war eine der häufigsten Fragen als ich verkündete bald nach Griechenland zu fahren, um Athen und eben diese kleine, schmetterlingsförmige Insel in Mitten des ägäischen Meeres zu bereisen.

Auf der ITB (eine jährlich stattfindende Tourismusfachmesse) in Berlin, hatte ich den Kontakt geknüpft. Mit einem ganzen Sack voll Astypalea Broschüren inklusive einiger Kräutergaben wie wild wachsendem Safran oder Salbei fuhr ich nach Hause. Davor hatte ich schon im Internet nach Informationen über diese geheimnisvolle Insel, von der auch ich davor noch nie gehört hatte, gesucht. Nach dem Treffen träumte ich von einem Besuch.

Mein Traum wurde erfüllt. Ich reiste nach Athen, blieb dort ein paar Tage und fuhr mit der Fähre gute 10 Stunden nach Astypalea. Nach 5 Tagen auf der Schmetterlingsinsel, vielen neuen herzlichen Bekanntschaften mit InselbewohnerInnen und anderen ReisebloggerInnen, den täglichen kleinen Erkundungstouren und dem Beiwohnen der Prozessionen und Traditionen zum griechisch-orthodoxen Osterfest, kann ich euch sagen: die Worte, mit denen die Vizebürgermeisterin und passionierte Insulanerin Maria Kampouri ihr Astypalea beschreibt, haben ein Körnchen Wahrheit.

Ich war begeistert: von den Menschen, von der Ruhe, von dem Engagement und von der Herzlichkeit.

Meine 6 Gründe, warum es sich auszahlt eine längere und beschwerlichere Anreise in Kauf zu nehmen, um Urlaub auf einer wenig bekannten und abgelegenen Insel zu machen, habe ich dir hier zusammengefasst. Im Umkehrschluss, wenn du dich in meinen Gründen nicht wiedererkennst, dann ist Astypalea wohl auch nicht „das Stück Himmel auf Erden“, das du suchst.

6 Gründe, warum du Astypalea besuchen solltest

1. die Lage – Segen und Fluch zugleich

Astypalea liegt etwas abseits der bekannteren Insel wie Paros, Naxos, Rhodos, Kos oder Santorini. Vier Mal pro Woche gibt es eine Fährverbindung vom Hafen Piraeus in Athen. Eine Flugverbindung von Athen gibt es sechs Mal pro Woche. Vielleicht ist es die fehlende internationale Flugverbindung die Astypalea zu einem griechischen Geheimtipp macht?

Für mich zählt die abgeschottete Lage jedenfalls als gewichtiger Grund genau deshalb einmal nach Astypalea zu kommen. Denn hierher verirren sich keine Menschen, die nicht hierher kommen wollen.

2. das Ambiente – konserviertes Griechenland pur Die geschützte Lage hat ein authentisches griechisches Ambiente fernab des Massentourismus konserviert. Dies und die aktiven Bemühungen der Gemeinde alle InselbewohnerInnen von einer Beibehaltung der typisch griechischen Bauweise zu überzeugen, haben den Charme der Insel bewahrt. Daher strahlt Astypalea in Weiß. Wenn die Sonne scheint, so sehr, dass es kaum möglich ist die Augen offen zu halten, weil es so blendet. Hauptsächlich blaue Türen, Fenster und Balkone bringen Farbe in die Stadt, ebenso wie das Rot der Windmühlen.

3. Alternativtourismus statt Massentourismus

Astypalea ist nicht überlaufen voll partywütiger TouristInnen. Es ist eine ruhige Insel. Es gibt keine großen Massentourismushotelanlagen, sondern 90% sind kleine familienbetriebene Unterkünfte. Auch darauf wird von der Gemeinde wert gelegt. Meines Wissens bestehen so gut wie alle rund 300 Quartiere aus einem Zimmer mit Bad und WC inklusive einer kleinen Kochnische.

Neben diesen kleinen Unterkünften, gibt es circa 20 kleinere 3-4 Sterne Hotels, ein einziges 4-5 Sterne Hotel und einen Campingplatz.

Wissenswert ist auch, dass Astypalea quasi autark ist. Sie hat zwei größere Quellen, die für die Trinkwasseraufbereitung verwendet werden. Es gibt ein Elektrizitätswerk und vereinzelt sind Solaranlagen auf der Insel zu sehen. Ein Teil des Abfalls wird abtransportiert, der Rest landet in der Müllverbrennungsanlage (wenn ich das richtig verstanden habe).

Der Aktivtourismus befindet sich in der Aufbauphase. Neben Baden im glasklarem Wasser an einem der vielen Sand- oder Kieselstrände, kann getaucht, geklettert und gewandert werden.

Viel los ist auf Astypalea laut Erzählungen nur im August, wo Hauptsaison ist und alle Quartiere ausgebucht sind. Meist sind es die Griechinnen und Griechen selbst die auf die Insel zum Urlauben kommen und ein paar ItalienerInnen.

Die beste Zeit für einen geruhsamen Urlaub mit perfekten Temperaturen ist daher März, April Juni, Juli und September.

4. familiärer Flair – Leben in 3 Dörfern

Es gibt vier bewohnte Dörfer auf der Insel: Astypalea, Livádi, MaltezanaundVathy. Die EinwohnerInnenzahl schwankt. Während im Winter die EinwohnerInnenzahl bei rund 1200 liegt, steigt diese im Sommer auf rund 8000 an.

Die Menschen kennen sich. Die Atmosphäre ist vertraut. Die starke Verbundenheit der BewohnerInnen war beim griechisch-orthodoxen Osterfest, an dem ich teilnehmen durfte, deutlich zu spüren. Die Insel scheint geschlossen zusammen zu halten. Nur ein klein wenig spaßhafter Wettkampf zwischen Ober- und Unterort dürfte es geben.

Während meiner 5 Tage Aufenthalt habe auch ich einen Teil der offenen und interessierten Menschen kennengelernt. Nur die alten Männer, die in den Tavernen sitzen, lassen sich von den vereinzelt ausländischen TouristInnen nicht aus der Ruhe bringen und nehmen kaum Notiz.

Um die überschwängliche griechische Gastfreundschaft zu umgehen, wurde uns geraten, auch ohne Hunger besser eine Kleinigkeit zum Essen zu bestellen. Denn ansonsten könnte es passieren (und das ist uns tatsächlich auch passiert), dass ein ganzes Mahl – einfach so – zu den bestellten Getränken serviert wird. Nichts zu essen, wäre unhöflich. Die griechische Gastfreundschaft ist groß: immer wieder wurde ich zu Knabbereien/Essen oder einen Raki eingeladen. Wohlgemerkt nicht nur auf der wunderschönen Insel Astypalea, sondern auch auf der Fähre bei der Anreise und in Athen.

5. Schlangenfreies Kräuterparadies

Die ganze Insel ist voll von wild wachsenden Kräutern, allen voran Thymian, Oregano und Salbei. Senf, Safran, Kreuzkümmel, Kamille, Wacholder sind nur einige weitere Kräuter bzw. Gewürze, die es auf der Insel zu finden gibt.

Es gibt so viel davon, dass es für mehr als ein ganzes Leben reicht. Oder wie Bettina, die die inselübergreifende Frauen-Kooperative Rodia 12 gegründet hat und die wild wachsenden Kräuter, Früchte und Pflanzen sammelt und verarbeitet, meint, die Kräuter eines einzigen Berghangs würden für ganz Deutschland ausreichen. Meine Schlussfolgerung für Österreich ist – jeder Haushalt könnte sicherlich doppelt versorgt werden.

Oliven-, Feigen-, Granatapfelbäume und Weinreben stehen in den Gärten oder wachsen wild.

Die Vegetation auf den einzelnen Inselteilen („linker/rechter Schmetterlingsflügel und Verbindungsstück“) unterscheidet sich. Gemeinsam haben sie, dass sie schlangenfrei sind.

Der auf der Insel von den Bienen produzierte und von den circa 30 ImkerInnen verarbeitete Honig ist übrigens aufgrund der wachsenden Pflanzenarten vom Geschmack her einzigartig.

6. Mystisches Astypalea

Astypalea hat 365 Kapellen – kleinere und größere – theoretisch für jeden Tag eine. Warum, das so ist, konnte mir keiner ganz logisch erklären. „Die Insel hat ihre eigene Energie.“, war eine mystische Antwort darauf. „Hast du noch nicht bemerkt, dass du viel weniger Schlaf brauchst?“, wurde ich danach oft gefragt. Mmmmh, ausgeruht fühlte ich mich tatsächlich immer. Aber ob es an der magischen „astypaleischen“ Energie lag oder an meinem gemütlichen Bett, konnte ich nicht beurteilen.

Astypalea weist jedoch tatsächlich eine ungeklärte Besonderheit auf: Kylindra, ein Friedhof der Ungeborenen, Säuglinge und Kleinkinder. Er wurde erst 1996 entdeckt. Die archäologischen Ausgrabungen wurden aber aufgrund finanzieller Engpässe vorübergehend eingestellt. Bis jetzt wurden rund 2.400 Gräber gefunden, die auf eine Zeit zwischen 750 vor Christus bis zu einem Jahrhundert nach Christus datiert wurden. Die Kinder wurden in Tongefäßen oder Urnen bestattet, die aus dem gesamten östlichen Mittelmeerraum stammen. 75% der Funde waren Ungeborene oder kurz nach der Geburt verstorbene Kinder, die anderen waren bis zu einem Jahr alt. Nur zwei Ausnahmen gab es: ein Kind mit 2 und ein Kind mit drei Jahren.

Es wird vermutet, dass die zwei Göttinnen der Geburt und GeburtshilfeArtemis Lochiaund Ilithyia –in Astypalea geehrt wurden, und die verstorbenen Kinder als Gaben in der Hoffnung auf eine weitere gesunde Geburt von nah und fern hierher gebracht und beerdigt wurden.

http://www.travelwoman.at/6-gruende-warum-du-astypalea-besuchen-solltest/