Marion Schaefer

Escape from reality

Griechenland wie aus dem Bilderbuch: Blaues Meer, weiße Gassen und ganz viel Natur

Astypalea ist eine ganz besondere Insel - sie hat sich schon wenige Stunden nach meiner Ankunft direkt in mein Herz geschlichen. Nämlich genau in dem Moment, als ich am Morgen nach der langen Fährüberfahrt von Athen die blauen Fensterläden öffne. Vor mir liegt friedlich die Bucht von Péra Gialós, dahinter steigen die idyllischen Gassen der Chora steil an. Hoch oben über dem Meer thront die venezianische Burg und eine Reihe von Windmühlen krönt den Bergrücken. Sie verleihen dem Städtchen sein charakteristisches Aussehen, eine Silhouette, die man aus tausenden heraus sofort wiedererkennt. Ich könnte stundenlang auf dem Balkon meiner Ferienwohnung sitzen und den Anblick in mich aufsaugen.

Und je mehr ich von Astypalea sehe, desto mehr verliebe ich mich. Denn die Insel, die die Form eines Schmetterlings hat, ist eine natürliche Schönheit. Auf den ersten Blick erscheint die Landschaft karg, doch sieht man genauer hin, entdeckt man hohe Berge, grüne Täler, einsame Klöster und kleine Kirchen auf dem Land, Höhlen, Fjorde und Dutzende von ursprünglichen Stränden. Über allem hängt betörend der Duft von Kräutern - Oregano, Salbei und Thymian wachsen wild an jeder Ecke.

Klasse statt Masse

Astypalea ist keine Insel für den typischen Pauschaltouristen - und das ist auch gut so. Große All-Inclusive-Hotels sucht man zum Glück vergeblich. Statt dessen gibt es meist familiengeführte, liebevoll eingerichtete Boutiquehotels, Pensionen und Ferienwohnungen, in denen man sich sofort zuhause fühlt. Die meisten bieten einen atemberaubenden Blick auf die Chóra. Für individuell Reisende hat die Schmetterlingsinsel viel zu bieten. Alternativer Tourismus heißt das Stichwort. Aktivitäten wie Wandern, Klettern, Mountain Biking und Wassersportarten wie Tauchen, Windsurfen oder Angeln liegen im Trend.

Unterwegs in der Chóra

Auf dem Sattel zwischen zwei Hügeln wurden einst acht Windmühlen errichtet, um mit der Kraft des Windes Getreide zu malen. Sie sind heute der Mittelpunkt des Insellebens, denn hier befindet sich der Dorfplatz mit Cafés, Tavernen und Geschäften. Von hier aus schlängeln sich steile Gassen mit weißgetünchten Häusern den Hügel hinauf bis zu Festung. Ein Fotomotiv reiht sich an das nächste. Die Chóra ist das Herz der Insel. Hier finden sich auch die meisten Sehenswürdigkeiten: Die Festung, die Windmühlen, die Kirche Panagia Portaítissa, das archäologische Museum und der sagenumwobene Kinderfriedhof, auf dem einst Kleinkinder aus dem gesamten Mittelmeerraum begraben wurden.

Unterhalb der Chóra liegt der Stadtteil Péra Gialós. Ein kleiner Kiesstrand lädt zum Baden ein, Bäume spenden Schatten und in den Tavernen duftet es verlockend nach griechischen Leckereien. Immer mit dabei - ein atemberaubenden Ausblick auf das Meer und die darüber thronende Festung.

Mein Lieblingsplatz: Der Aussichtspunkt bei der alten Mühle

Auf einem Bergrücken gegenüber der Chóra liegt die alte Windmühle Paliómylos. Über eine Schotterpiste fahre ich mit dem Mietwagen die Serpentinen hinauf, auf einer Seite der Abgrund. Als ich bei der alten Mühle aus dem Auto steige, zerrt der Wind an meinen Haaren, es ist richtig frisch. Was für ein einmaliger Ausblick auf die Chóra! Winzig klein liegen die Windmühlen mit ihren roten Dächern unter mir. Auf der anderen Seite breitet sich die zerklüftete Küstenlinie von Astypalea vor mir aus. Das Meer ist tiefblau, unzählige Buchten und Inseln erinnern an eine Fjordlandschaft. Hinter mir höre ich Glöckchen leise klingeln: Am Berghang suchen Ziegen nach Futter. Und werden fündig bei den wilden Kräutern, deren Duft auch hier oben allgegenwärtig ist. Auch das Osterfeuerwerk, bei dem Ober- und Unterdorf miteinander um das schönere Feuerwerk wetteifern, schaue ich mir von der alten Windmühle aus an. Fast 20 Minuten lang erhellen die Feuerwerkskörper die Nacht, dazu trägt der Wind das Läuten der Kirchenglocken gedämpft bis hier hoch.

Astypalea’s Strände

Was wäre ein Griechenland-Urlaub ohne Strand? Sogar als ich Ende April auf Astypalea bin, kann man schon baden. Das Meer ist kühl, aber nicht kalt, so dass ich es mir nicht nehmen lasse, schwimmen zu gehen. Astypalea bietet Dutzende von schönen Stränden. An einigen findet man die ein oder andere Taverne, viele entlegenere Strände sind aber einsame Buchten, die man mit etwas Glück sogar für sich alleine hat. Zentral gelegen und zu Fuß zu erreichen ist der Strand von Péra Gialós. Auch der Strand von Livadi ist von der Chóra aus mit einem Spaziergang anzusteuern - allerdings ist der Rückweg mit seinem steilen Aufstieg etwas beschwerlich. Die meisten Strände sind am besten mit dem Mietwagen oder einem Roller zu erreichen. Im Sommer gibt es auch eine Buslinie, die einige der Strände ansteuert. Beliebt ist der Plákes Strand in der Nähe von Stenó, der engen Landzunge, die die beiden Schmetterlingsflügel der Insel miteinander verbindet. Auch Stenó selbst ist von zwei Stränden umsäumt. Weitere schöne Strände findet man im Fischerdorf Maltezána oder in Vátses. Mein Favorit ist der Strand von Agios Konstantinos mit der gleichnamigen kleinen Kirche. Von diesem Kiesstrand mit seinem kristallklaren Wasser und den Schatten spendenden Tamarisken hat man einen fantastischen Blick auf die Chóra. Im Sommer sind eine Beach Bar und eine schöne Taverne in Betrieb.

Mit dem Auto über die Insel

Raus aus der „Stadt“, rein ins Abenteuer: Mit dem Mietwagen auf Inselerkundung kommt man auch an die entlegeneren Stellen von Astypalea. Zum Beispiel ins Fischerdörfchen Maltezána (oder auch Análipsi). Im Hafen kann man Fischern dabei zu sehen, wie sie Netze flicken und ihre kleinen, bunten Boote in Schuss halten. Hier gibt es einige hübsche Cafés und Tavernen, die idyllische Kirche und die römischen Bäder von Talará. Der Höhepunkt - im wahrsten Sinne des Wortes - meiner Inselrundfahrt ist der Aussichtspunkt Kastellános. 366 m ist der höchste Berg von Mésa Nísi, der äußeren Insel, hoch. Die Antennen oben auf dem Gipfel wirken surreal, einst war hier ein Militärstützpunkt, der nun langsam zerfällt. Heute tummeln sich hier nur noch die Bergziegen. Von oben bietet sich ein einmaliger Ausblick auf Astypalea. In den Buchten und tief eingeschnittenen Fjorden schimmert das Meer in allen erdenklichen Blautönen. Bei guter Sicht soll man von hier aus sogar bis nach Kos und Kalymnos sehen können.

Back to Nature: Kräuter und Pflanzen der Insel

Wildwachsende Kräuter wie Salbei, Oregano und Thymian gibt es überall auf der Insel. In den Bergen wächst sogar wilder Safran, der in vielen typischen Gerichten zum Einsatz kommt. Doch Livadi ist der grüne Garten von Astypalea. Hier werden alle Arten von Gemüse angebaut, von Salat, Mangold, Roter Beete, Gurken und Zucchini bis hin zu knallroten Tomaten und Artischocken. An den Bäumen wachsen Oliven, Zitronen, Mandeln, Feigen und Granatäpfel. Und das merkt man auch in der lokalen Küche - frischer geht’s nicht!

Wandern auf Astypalea

Astypalea ist ein Wanderparadies: Die urwüchsige Landschaft und die einsame Bergwelt der Insel bietet sich fast überall zum Wandern an. Schlangen gibt es übrigens keine, aber mit großer Wahrscheinlichkeit wirst Du Schafen und Ziegen begegnen, die Dich mehr oder weniger neugierig beäugen. Meine Wanderung beginnt im Südwesten der Insel beim alten Kloster von Agios Ioannis. An der alten Windmühle vorbei geht es über Schotterstraßen durch die Berge. Gleich neben dem Kloster befindet sich Paliókastro, die Ruine einer byzantinischen Burg. Vom Kloster Agios hat man eine wunderschöne Aussicht auf die umliegenden schroffen Berge und die vorgelagerten Inselchen. Auch ein Blick ins Innere des Klosters lohnt sich. Auf schmalen, unbefestigten Pfaden geht es hinunter ins Tal. Auf dem steinigen Weg nach unten durchqueren wir einen kleinen Bachlauf und einen Bambushain. Versteckt liegen hier verlassene Gärten, ein kleines Paradies. Wer dem Pfad weiter hinunter folgt, gelangt schließlich zu einem kleinen Strand, der ebenfalls Agios Ioannis heißt - muss dann allerdings auch wieder den gleichen, steilen Weg hinauf kraxeln...

Mehr über meine Wanderung bei Agios Ioannis...

http://escape-from-reality.de/wandern-griechische-insel-astypalea/

Über Escape from Reality

Marion erzählt auf ihrem Reiseblog escape-from-reality.de von großen und kleinen Auszeiten weltweit und vor der Haustür. Hol Dir Inspirationen und Tipps zu (Gruppen-)Reisen, Kurztrips, Ausflügen und Festivals.

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