Corinna

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Warum Astypalea Dein nächstes Reiseziel sein sollte

Astypalea – diese kleine, Schmetterlingsförmige Insel mitten im Ägäischen Meer hat sich in Überschallgeschwindigkeit in mein Herz geschossen.

Zwar habe ich hier nur eine Woche verbracht, aber trotzdem kann ich sagen, dass sich die Insel zu einem Seelenort für mich entwickelt hat. Trotz dessen, dass es einem hier nicht immer leicht gemacht wird. Alles rund um Astypalea muss man sich irgendwie erarbeiten. Die Anreise per Boot ist erschwinglich, aber langwierig. Dazu später mehr.

Übrigens hat die Insel, die ca. 1.300 Menschen beheimatet, auch andere Schreibweisen. Die bekannteste darunter ist wohl Astypalaia. Ai wird im griechischen wie ä ausgesprochen. Einige schreiben es auch Astipalea – das ist aber, meines Wissens nach, falsch. Auch schön ist Astropalea. Auf griechisch heißt sie übrigens Αστυπάλαια.

Doch warum sollte man eine lange Anreise überhaupt in Kauf nehmen?

Stundenlang auf einer Fähre „gefangen“ zu sein, ist schließlich nicht jedermanns Sache? Meine ganz sicher nicht! Außerdem muss man den ganzen Weg ja schließlich auch wieder zurück. Das ist Stress. Ich nenne Dir die Gründe die für eine Reise auf diese wunderschöne Insel sprechen.

Astypalea ist noch ein echter Geheimtipp

Gib’s zu. Du hast vor diesem Artikel noch nie von der Insel gehört. Das macht überhaupt nichts, denn genau das macht ja ihren Charme aus. Astypalea fängt gerade erst an, seinen Tourismus aufzubauen. Die perfekte Chance also, noch das richtig Ursprüngliche kennenzulernen.

Du findest hier alles was Du benötigst und trotzdem ist sie unter Europäern noch ein echter Geheimtipp. Kaum einer, außer den Griechen selbst, kennt dieses Fleckchen Erde.

Es gibt nur eine Hauptstraße und diese ist gerade mal 12 km lang. Alles andere ist Schotterpiste. (In den Orten selbst, ist es natürlich auch asphaltiert) Hier sind wir schon beim Thema erarbeiten. Fahre wenigstens einmal abseits der geteerten Straße, denn nur so erreichst Du die schönsten Flecken der Insel – auch wenn es ziemlich holprig werden kann.

Wenn Du in Chora bist (der „Hauptstadt“), dann siehst Du an einem Punkt, gegenüber des Schlosses, eine einsame Windmühle. Du solltest hier unbedingt hoch, denn der Ausblick ist einfach einmalig. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie wunderschön ich den Ausblick hier empfunden habe. Man sieht die ganze Stadt von oben. Einfach toll.

Auch die Restaurants servieren hier noch traditionelles astypalisches Essen. Unbedingt solltest Du dann auch zur ansässigen Konditorei gehen. Die Besitzerin macht hier alles selbst und es ist abartig gut! Frühstücken kannst Du hier auch. Wir haben das jeden Tag gemacht. Zudem ist die Besitzerin unglaublich nett.

Obwohl uns versichert wurde, dass der Charme und genau dieses Ursprüngliche nicht genommen werden soll, wird es sich natürlicherweise mit zunehmendem Tourismus auch verändern. Reise also jetzt hin.

n Astypalea wohnen unglaublich nette Menschen

Ein Fischer bei seiner Arbeit

Tatsächlich sind die Griechen ein unglaublich nettes Volk, aber in Astypalea ist es mir noch einmal deutlicher aufgefallen. Die Menschen hier nehmen einen direkt in die Gemeinschaft auf. Man wird an jeder Ecke zu einem Raki eingeladen, oder auch gerne mal zum Ziege oder Lamm essen. (Ich war während dem griechisch-orthodoxen Osterfest dort. Da wird am Ostersonntag auf den Straßen gegessen und getrunken, was das Zeug hält).

Auch beim Einkaufen ist mir das aufgefallen. Einmal hatte ich keine 2€ in Kleingeld parat. Da der Verkäufer kein Wechselgeld hatte wurde einfach gesagt: „Zahl einfach morgen!“ In der bezaubernden Konditorei hatte ich auch kein Kleingeld und da wurde mir das Wasser einfach geschenkt. In Deutschland undenkbar. (Aber bitte: Das waren tatsächlich versehen! Ich denke ich muss nicht dazu sagen, dass man das nicht ausnutzen sollte!)

In Astypalea findest Du die typischen Farben und Häuser Griechenlands

Die typischen weiß-blauen Häuser Griechenlands, findest Du auch in Astypalea.

Farbenfrohe Blumen ranken über eine Gasse

Gut… Ich gebe zu: Da es die traditionellen weiß-blauen Häuschen sind, könntest Du das auch überall sonst in Griechenland haben, aber irgendwie habe ich es hier als etwas Besonderes empfunden. Die eigentlichen Farben Astypaleas sind nämlich weiß und knallrot – wie die Windmühlen im Stadtzentrum. (siehe Titelbild)

Vielleicht sollte man ihnen mal sagen, dass sie sich damit noch mehr abheben würden, aber irgendwie finde ich die jetzigen Farben total bezaubernd. Das macht Griechenland doch aus.

Wenn man so durch die Gässchen der Stadt schlendert und dazwischen farbenprächtige Büsche den Weg zäumen, oder einen Bogen über der Straße bilden, dann geht mir das Herz auf. Wenn dann noch eines der vielen Kätzchen Deinen Weg kreuzt, ist die Welt doch irgendwie perfekt.

Astypalea hält Dich fit!

Astypalea ist ziemlich hügelig. Wenn Du sportlich bist, gar kein Problem. Ich war zuweilen froh, dass wir ein Auto hatten. Nur einmal musste ich in das Stadtzentrum laufen und fand es unheimlich anstrengend. Wir haben nämlich unten am Meer gewohnt und das Zentrum ist ganz oben.

Wäre ich allerdings ein paar Mal öfter gelaufen, dann wäre ich jetzt Fit wie ein Turnschuh.

Abgesehen von der Stadt bieten sich hier aber noch ewig viele Möglichkeiten für Wanderer und Sportliebhaber. Die Insel ist an den meisten Stellen noch ziemlich unbewohnt und so kann man hier unberührte Natur genießen. Dazu kann man an vielen Stellen auch seiner Kletterlust nachkommen – wenn man denn welche hat.

Die Landschaft Astypaleas ist unglaublich schön

Womit wir auch schon beim nächsten Thema sind: der Natur. Obwohl sich die Landschaft zuweilen karg zeigt (sprich: kaum Bäume), hat sie doch ihren ganz eigenen Charme.

Wenn Du zum Beispiel zur Agios Ioannis hinauf fährst, dann wird Du als allererstes den würzigen Geruch wahrnehmen. Hier wachsen extrem viele Wildkräuter. Dieser Geruch von Fenchel, Salbei und anderen Kräutern mischt sich unter die salzige Seeluft und das ist einfach genial gut. Wenn Dir dann noch nach laufen ist, dann zieh besser vorher bequeme und feste Schuhe an. Hier kletterst Du nämlich erst einmal runter, dann wieder rauf.

An der Agios Ioannis ist die Luft schwer von den Wildkräutern.

Wenn Du mich ein wenig kennst, dann weißt Du, dass ich wandern eigentlich nicht so toll finde. Auch hier habe ich das ein oder andere Mal geflucht, aber am Ende hat es sich trotzdem für mich gelohnt. Ich habe es nämlich geschafft – auch wenn ich zwischenzeitlich ein Bild von mir vor Augen hatte, wie Geier um mich kreisen.

Gibt es auf Astypalea eigentlich Geier? Das muss ich mal recherchieren. Ich glaube nicht.

Auf Astypalea gibt es einen Kinderfriedhof

Ok. Ich gebe zu, dass es ziemlich makaber klingt. Historisch gesehen ist es aber tatsächlich zugleich Überraschung und auch Highlight.

Die Meisten der Kinder, die gefunden wurden, waren Früh- oder Fehlgeburten. Die Wenigsten stammen von der Insel selber. Tatsache ist, dass dieser Friedhof vor Christi entstanden ist. Man glaubt, dass die Babys hier beerdigt wurden, weil die Schutzgöttin über Astypalea auch die Schutzgöttin von Babys und Kindern war. Man glaubte, wenn man sein verstorbenes Kind hier beerdigt, dann wird es von der Göttin beschützt und das nächste Kind wird gesund geboren und leben.

So wurden die Kinder in runden Amphoren zur Insel gebracht und hier begraben. Rund deshalb, weil es den schützenden Körper (Bauch) der Mutter symbolisieren sollte.

Da den Forschern aber leider die Geldmittel ausgegangen sind, weiß man leider relativ wenig über diesen Friedhof. Die Geschichte dahinter könnte sich also durchaus noch ändern.

Astypalea hat die Chora

Klar haben auch andere Inseln eine Burg, aber wenn Du schon einmal hier bist, dann darfst Du Dir die Chora auf keinen Fall entgehen lassen.

Die Chora trohnt hoch über Astypalea

Auch hier ist wieder der Fall: Man muss sich die Schönheit erarbeiten, denn der Aufstieg hat es (zumindest für mich) ganz schön in sich. Das Schloss liegt nämlich über der Stadt und da muss man natürlich erst mal hoch kommen.

Eine der beiden Kirchen in der Chora

Für mich beeindruckend war der Fakt, dass hier einmal 4000 Menschen gelebt haben. Um so viele Leute hier unterzukriegen, musste man in die Höhe bauen. Man hat also 3 Stöckige Häuser gebaut und in jedem Stock wohnte eine Familie.

Wie groß Dein Haus oder Deine Wohnung war, war natürlich abhängig von Deinem Rang und Stand.

Der Blick auf die Chora bei Nacht

Das erste Haus, dass abseits der Chora erbaut wurde, findest Du auch heute noch. Damals wie heute, war es ein Café, wie es hier genannt wurde. Tatsächlich ist das Mougou Café aber eher eine Taverne. Oder besser gesagt DIE Taverne, denn hier finden alle Familienfeierlichkeiten, wie zum Beispiel Hochzeiten, statt. Im Innenraum finden sich auch zahlreiche Bilder dieser Feiern. Schau also auf jeden Fall einmal vorbei!

Astypalea hat seine ganze eigene Aura

Ich gebe zu, dass mag jetzt ein wenig esoterisch klingen. Lass es mich anders erklären.

Kennst Du diese Orte, an denen Du den ganzen Tag nur schlafen möchtest und wenn Du aufwachst, dann bist Du trotzdem erschlagen? Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass es an mir liegt. Das ich das Problem bin. Ich bin eine Schlafmütze. Ein Koala. Ich würde am liebsten 20 Stunden am Tag schlafen und viel Stunden essen.

Ist Astypalea bin ich hingegen mit richtig wenig Schlaf ausgekommen. Obwohl ich eine unglaublich anstrengende Anreise hatte, die fast zwei Tage gedauert hat (wegen blöden Anschlussflügen und kurzfristigem umbuchen. Danke Verdi – Nicht!), haben mir ein paar Stunden Schlaf ausgereicht und ich war fit für den ersten Tag.

Als ich hingegen wieder daheim angekommen bin, (mit denselben blöden Anschlüssen wohlgemerkt), habe ich erst einmal 15 Stunden geschlafen. Obwohl ich, im Gegensatz zur Anreise, fast die komplette Zeit auf dem Schiff schlafen konnte, war ich einfach richtig fertig.

Astypalea hat also diese Eigenschaft, dass sie Dir Energie gibt. Der perfekte Ort um sich zu Erholen!

Wie Du nach Astypalea kommst

Es gibt zwei Möglichkeiten.

Die Fähre: Die erschwinglichere der beiden Möglichkeiten. Ab 20€ kannst Du von Athen (oder anderen griechischen Inseln aus) nach Astypalea reisen. Wie am Anfang schon erwähnt, muss man sich Astypalea erarbeiten und wird dafür mit etwas magischem belohnt – der Insel selbst. Die Anreise macht da leider keinen Unterschied.

Ich kann Dir nur empfehlen, Dir die 9 Stunden lange Anreise so angenehm wie möglich zu machen. Wenn Du das preiswerteste Ticket kaufst, dann bring einen Schlafsack mit. So kannst Du zumindest vor den Kabinen auf dem Boden schlafen.

Da Du keinen festen Sitzplatz hast, bleiben Dir nur die Stühle. Sei also früh genug an Deck, um Dir einen guten Platz zu sichern.

Ich würde Dir aber empfehlen einen Airseat zu buchen. Diese sind ziemlich bequem und man kann sicher auch ein wenig darin schlafen. Die Business Class lohnt sich, meiner Meinung nach, nicht. Hier sitzt man zwar bequemer, aber die Lehnen sind zu niedrig um einigermaßen angenehm zu schlafen. Dann lieber einen Airseat.

Oder buche Dir gleich eine Kabine. Dann hast Du ein Bett für Dich. Evtl. musst Du Dir aber die Kabine teilen. Auch hier empfiehlt es sich, so schnell wie möglich an der Rezeption zu sein. Auch wenn Du schon gebucht und bezahlt hast, kann es Dir sonst passieren, dass die Kabine an einen reichen Griechen weiterverkauft wird. (Das ist unserer Begleiterin leider passiert)

Die Fähre von Bluestar Ferry fährt ein Mal am Tag von und nach Astypalea.

Mit dem Flugzeug:Auch das ist kein Problem. Obwohl Astypalea klein ist, hat die Insel einen Flugplatz. Leider sind die Flüge nicht gerade günstig. Da ich selber nicht geflogen bin, kann ich hier auch keine qualifizierte Aussage machen. Es wird aber wohl eine kleine Maschine sein und ich habe gehört, dass sie unterwegs mehrere Flughäfen ansteuert. Ein Hop On Hop Off Flug also.

Wo Du wohnen kannst

Überraschenderweise gibt es in Astypalea wirklich viele Hotels. Glücklicherweise keine großen Gebäude. Sie fallen also, auf den ersten Blick, eigentlich gar nicht auf.

Ich habe im Hotel Vithos übernachtet. Hier bekommst Du, wie meistens, ein kleines Apartement, mit eigener, kleiner Küche, Duschbadezimmer und natürlich einem Schlafzimmer. Dazu eine Terrasse mit wunderschönem Blick auf die Chora. Hier habe ich auch meine Timelaps aufgenommen.

Die Besitzerin Alena spricht zwar kaum ein Wort Englisch, aber sie könnte nicht lieber sein. Am ersten Tag, kam sie immer raus, wenn sie uns gesehen hat, um sicher zu gehen, dass es uns auch gut geht und wir alles haben. Am letzten Tag hat sie uns sogar mitten in der Nacht zum Hafen gefahren. Ein wirkliches Goldstück!

http://aussteigenbitte.de/astypalea/